Banner

Verabschiedung: Ära Wurstsemmel ist Vergangenheit

Ein Bericht von Christian Flemming (erschienen in der Lindauer Zeitung am Samstag, 29. Juni 2019) zur Verabschiedungsfeier von KBR Friedhold Schneider am Donnerstag, 27. Juni 2019 im Sparkassensaal Lindau.

Die Ära Wurstsemmel ist Vergangenheit

 

Landrat Elmar Stegmann (rechts) verabschiedet Friedhold Schneider offiziell als Kreisbrandrat in den Feuerwehr-Ruhestand und ernennt ihn zum Ehren-Kreisbrandrat. Foto und Text: Christian Flemming, Redakteur

Landrat Elmar Stegmann hat Kreisbrandrat Friedhold Schneider offiziell in den Ruhestand verabschiedet und gleichzeitig zum Ehren-Kreisbrandrat ernannt. Dabei blieben die Lobesreden weitgehend aus, Moderator Thomas Bergert holte sich stattdessen eine Reihe Weggefährten Schneiders auf die Bühne zu einer Talkrunde. In dieser kamen all die Verdienste – teils ernst, teils locker und humorig – zutage, die Schneider in seinen 17 Jahren als Kreisbrandrat und den 25 Jahren in der Kreisbrandinspektion ausgezeichnet haben.


Dabei tauchte auch die Frage auf, was es mit der Wurstsemmel auf sich habe, die seit vielen Jahren als geflügelter Begriff mit Schneider in Zusammenhang steht. Robert Kainz, der neben Elmar Stegmann, Eberhard Rotter, Friedhold Schneider und Heribert Mayer auf dem Podium als Talkgast saß, erklärte, dass Schneider, aus dem Nebelloch Weiler stammend, mit 17 bereits zur Feuerwehr gestoßen sei. Als er nun 1999 als Kreisbrandinspektor beim Pfingsthochwasser aus dem Westallgäu an den Bodensee kam, meinte er, etwas Gutes tun zu müssen, die Kameraden bräuchten auch was zu essen. Also schaffte er Wurstsemmeln an, ebenso später bei Übungen.
Die Lindauer Feuerwehr, die unter den alten Kameraden gute Köche habe, hätte die Semmeln nach und nach abgeschafft und das kulinarische Angebot erweitert. „Die sollen froh sein, wenn sie was kriegen“, war der trockene Kommentar Schneiders dazu, worauf ihm Bergert eine Wurstsemmel überreichte. Kainz charakterisierte den emsigen Kreisbrandinspektor so: „Wenn man was zu ihm sagte, antwortete er normalerweise mit ,Herrgott no amol, des gohd so id’. Es gab aber eine Steigerung: ,Herrgottzack, des gohd so id!’“ Dann hatte Schneider das Problem erkannt und setzte sofort alles in Bewegung, um dieses Problem zu beseitigen.


Bedrückend war die Erinnerung an die gemeinsame Fahrt am Bodensee entlang, als die zwei Flugzeuge abgestürzt waren. „Das sind Dinge, die braucht wirklich keiner“, sagte Kainz. Im weiteren Verlauf tauchte die Frage auf, wie dem scheidenden Kreisbrandrat ein Denkmal gesetzt werden könne. Sein Vorgänger Horst Miller wurde Namenspate für ein Feuerwehrboot, ebenso der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter, dessen Vornamen das Wasserburger Einsatzboot der dortigen Feuerwehr trägt. Kainz hieß diesen Entschluss gut, denn vorher hätten die Wasserburger die ausgedienten Boote der Lindauer übernehmen müssen, dieses Mal sei endlich ein Schiff angeschafft worden, das für die Wasserburger Bedürfnisse maßgeschneidert sei. Dass dies möglich wurde, sei maßgeblich den Bemühungen Rotters bei der Landesregierung geschuldet.
Für Schneider hatte man sich etwas anderes ausgedacht: Getreu des Schlagers „Ein Stern, der Deinen Namen trägt“ hatte Kainz das Bild eines Sterns mitgebracht, der nun den Namen Friedhold Schneiders trägt. Die entsprechenden Koordinaten überreichte er gleich mit. Der abwechslungsreichen Gesprächsrunde entsprechend hatte Stegmann für die Feier die Musik gewählt. Das Gitarrenquartett Gitarrissimo, Bundespreisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, begeisterte das Publikum ebenso wie all die humorvollen Beiträge auf dem Podium.


Auch Schneider selbst äußerte sich begeistert über seine Zeit als Kreisbrandrat, denn es habe keinen einzigen großen Feuerwehrunfall bei Einsätzen gegeben. Das sah er aber nicht als sein Verdienst, sondern im Zusammenwirken aller Blaulichtorganisationen und der Verwaltungen. Ergänzend dazu lobte Stegmann neben vielem anderen Schneiders Einsatz für den Feuerwehrnachwuchs, die Feuerwehrausbildung im Landkreis, den Blaulichttag, aber auch das unermüdliche Engagement, die Feuerwehren bestmöglich auszustatten. Einerseits, um sie schlagkräftiger zu machen, andererseits und ganz entscheidend auch, um für deren eigene Sicherheit im Ernstfall zu sorgen.


Zum Schluss versagt die Stimme
Schneider gestand, dass er zwar zwei E-Mail-Adressen habe, aber mit WhatsApp und ähnlichem nichts anfangen könne. Er sei immer nach dem Motto vorgegangen: „Wenn was willsch, rufsch mi an.“ Es sei wichtig, dass man miteinander rede, „es soll ja was G‘scheides rauskommen“. Dass man mit ihm immer reden konnte, ohne Streitereien, das bestätigten alle Talkgäste übereinstimmend. Nach 48 Jahren aktivem Feuerwehrdienst, 25 Jahren in der Kreisbrandinspektion und 17 Jahren Kreisbrandrat eine reife Leistung.


Dafür gab es die Auszeichnung als Ehren-Kreisbrandrat, seitens der Feuerwehren einen Helikopterflug Richtung Säntis, den Schneiders Nachfolger Wolfgang Endres überreichte. Der Schweizer Berg spielt auch beim Abschiedsgeschenk des Landkreises eine Rolle. Und ganz zum Schluss versagte dem frischgebackenen Ruheständler beim Danksagen doch kurz die Stimme, als er auf seinen Enkel blickte. Aber nur kurz, denn dann ging es ans Büfett, garantiert wurstsemmelfrei.

 


 

Artikelaktionen
Termine
Jugendübung Bereich MITTE
25.10.2019, Lindenberg
Funklehrgang
06.11.2019, FF SImmerberg
Wissenstest JF
09.11.2019, Oberreute
 
23.10.2019 | © 2001 - 2010 Kreisfeuerwehrverband Lindau | unterstützt von tomcom GmbH